Mit den zusammengesetzten Hauptwörtern in der deutschen Sprache lässt sich herrlich spielen, wenn man sie wörtlich nimmt. Bei uns haben sich ganze Kindergeburtstagsgesellschaften (!) damit amüsiert, sich Berufe vorzustellen wie „Zitronenfalter“ oder „Gasanzünder“, und wer sich irgendwie als „Armleuchter“ betätigen will, muss wohl einen besonderen Arm haben!

Ähnliche Späße hat sich auch Irmgard Götz aus unserer Gruppe gemacht, nur hat sie es nicht bei der Vorstellung belassen, sondern ihre Ideen in Origami-Objekte umgesetzt, die man ohne weiteres als Kunstwerke bezeichnen darf. Anzusehen sind sie in der sehr schönen Ausstellung „Brief Falt Kunst und Reiselust“ in Brück, südwestlich von Potsdam.

Also machte sich am 8. September eine Gruppe von 13 Leuten auf, um an der Vernissage teilzunehmen. Das Wetter war nicht toll, der Regionalzug sehr voll, aber mit freundlichen Leuten, von denen einige umstandslos ihre Plätze für uns räumten. So kamen wir gutgelaunt in Brück an und fanden ohne Probleme den Ausstellungsort, die „Alte Brücker Post„. Der Name ist wörtlich zu nehmen, hier fand sogar noch der letzte Postkutschenverkehr statt. Die Gebäude sind alt-ehrwürdig und umgeben einen idyllischen Innenhof, auf dem man bei schönem Wetter bestimmt gut sitzen kann. Vieles ist noch in Renovierung begriffen. Beträchtlichen Spaß hatten wir an den sehr rustikalen Klos, für die der vornehme Begriff „Toilette“ nicht ganz passend wäre.

Jetzt ist das Haus ein Kulturzentrum, zu dessen Namen das Thema der Ausstellung passt: Alles dreht sich um Briefe und Reisen. Schon im Vorraum empfängt uns ein Schwarm gefalteter Brieftauben, die „Luftpost“ transportieren. Auch die langsame Beförderung ist vertreten: „Schneckenpost“ und „Flaschenpost“. In einer Ecke wiegen sich „Stilblüten“ auf hohen zarten Stielen. Wunderbare „Kettenbriefe“ sind zu sehen, die jeder gern im Briefkasten finden würde. Die „Rundbriefe“ sind wirklich rund; Irmgards „Briefmarkensammlung“ besteht aus kompliziert gefalteten Miniaturen, die „Steckbriefe“ stecken in einer bildschönen Faltmappe – alles ohne Klebe und sonstige Hilfsmittel.

Das alles ist nicht so putzig wie es sich hier vielleicht anhört. Die Fantasie, Akkuratesse, Gestaltungskraft und der Humor, mit denen diese Objekte geschaffen wurden, lassen den Betrachter wie verzaubert auf das blicken, was einmal simple Papierstücke waren, zum Teil echte Briefe. Ich kann allen, die nicht dabei waren, nur raten, noch vor dem 17. November nach Brück zu fahren und selbst zu sehen.

Nebenbei hatten wir viel Spaß, wurden großzügig bewirtet und fühlten uns auf der Heimfahrt an Leib und Seele gestärkt.

Hildburg Wilkens

Dank für die Bilder an Ricarda Müller, Alte Brücker Post