Hildburg Wilkens hatte uns eingeladen, am Jour Fixe im August Karl Foersters Gartenreich im Raubfang 6 in Potsdam-Bornim zu besuchen. Zu acht landeten wir dort in drei Fahrgemeinschaften. Hätte die S-Bahn uns wegen Bauarbeiten nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht, wäre die eine oder der andere sicher mit Bahn und Bus oder Fahrrad angereist.

Das Wetter war bester Laune, der Garten erstrahlte im Sonnenlicht und wir folgten Hildburg neugierig und staunend durch einen der meistbesuchten Privatgärten Deutschlands. Hier ist überall und immer etwas los, denn ein Motto seines Schöpfers Karl Foerster, Staudenzüchter und Gartenphilosoph, heißt: „Es wird durchgeblüht“. Doch auch wenn die Blüte einer Pflanze längst vorbei ist, wirken ihre Blätter in Form, Farbe und Größe wunderbar zusammen, denn nicht nur Sortenzugehörigkeit und Standortbedingungen sollen nach Karl Foerster die Nachbarschaft der Pflanzen bestimmen, sondern auch das Zusammenspiel des Pflanzengrüns.

Hildburg führte uns nach einer Einführung in Karl Foersters Leben und Schaffen kenntnisreich mit Anmerkungen und Informationen allerlei Art den Frühlingsweg entlang durch den Herbstgarten, in dem Hunderte von Astern und Chrysanthemen sich zur Blüte anschicken, in den Steingarten, wo ein zum Baum er-wachsener Efeu besonders beeindruckte, und schließlich zum berühmten, herrlich blühenden Senkgarten, dem Herzstück der Gartenanlage. Dort blühen zurzeit unzählige der 370 Blumenzüchtungen Karl Foersters. Hildburgs Erläuterungen waren eine bekömmliche Mischung aus fachlichen Kenntnissen, passenden Zitaten aus Foersters zahlreichen Betrachtungen zur Gartengestaltung und Details aus seinem wissenschaftlichen Wirken. Jeder verweilte immer wieder da, wo es ihm gefiel, wir tauschten uns aus über eigene Gartenerlebnisse und -eindrücke, die Zeit verging im Flug, und der dekorative Frosch am Teichrand, den einige für eine Keramik gehalten hatten, war plötzlich verschwunden – vermutlich bei seinen Genossen im Wasser oder auf den Seerosenblättern.

Nach einem kurzen, aber sehr informativen Gespräch mit der derzeitigen hauptamtlichen Gärtnerin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die die Anlage betreut, begaben wir uns „Zur historischen Mühle“ nahe dem Schloßpark Sanssouci und ließen es uns auf der Terrasse im Schatten und bei einem angenehmen Windchen wohl sein.

Ein interessanter und vergnügter Tag im Ferienmodus. Karl Foerster hätte vielleicht gesagt: „Ferien vom Ach“, der Titel eines seiner zahlreichen Bücher.

Wer mehr über den Foerster-Garten und seinen Gründer erfahren möchte, kann unter folgenden Links nachlesen und -sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=lPaQokgmI1c&feature=youtu.be

(ein Film der Jahreskampagne „Wissenschaft für die Zukunft“)

Das ist ein Link, den man u.a. ganz unten auf der Seite

https://www.foerster-stauden.de/ findet.

Karl Foerster, Sohn von Wilhelm und Ina Foerster (Direktor der Berliner Sternwarte und Malerin): „Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich wieder Gärtner – und das nächste Mal auch noch. Denn für ein einziges Leben ist dieser Beruf zu groß.“

Sabine Schrimpf